Augen auf beim Textilienkauf
Fast Fashion verstehen: Worauf du beim Kleidungskauf achten kannst
Kleidung wird heute in großer Menge produziert, gekauft und teilweise nur kurze Zeit getragen. Gleichzeitig unterscheiden sich Textilien deutlich in Material, Verarbeitung, Haltbarkeit, Herstellungsbedingungen und Pflege.
Begriffe wie „Fast Fashion“, „Fair Fashion“ oder „nachhaltige Mode“ begegnen uns dabei häufig. Doch was steckt eigentlich dahinter – und welche konkreten Kriterien helfen bei der Auswahl von Kleidung?
In diesem Beitrag zeigen wir dir, worauf du beim Kauf achten kannst und warum Materialangaben, Haltbarkeit, Reparaturmöglichkeiten und eine lange Nutzungsdauer oft aussagekräftiger sind als allgemeine Werbebegriffe.
Was bedeutet Fast Fashion?
Mit „Fast Fashion“ wird ein Geschäftsmodell bezeichnet, bei dem neue Modetrends und Kollektionen in kurzen Abständen auf den Markt gebracht werden.
Dabei stehen häufig große Stückzahlen, kurze Produktzyklen und vergleichsweise niedrige Verkaufspreise im Mittelpunkt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes preiswerte Kleidungsstück automatisch schlecht verarbeitet ist oder unter denselben Bedingungen hergestellt wurde. Entscheidend ist vielmehr, das einzelne Produkt und seine Lieferkette genauer zu betrachten.
Warum ist der hohe Textilkonsum ein Thema?
Je mehr Kleidung produziert und nach kurzer Nutzung wieder aussortiert wird, desto mehr Rohstoffe, Verarbeitungsschritte, Transporte und Abfall fallen insgesamt an.
In der Europäischen Union entstehen jährlich rund 12,6 Millionen Tonnen Textilabfälle. Allein Bekleidung und Schuhe machen davon rund 5,2 Millionen Tonnen beziehungsweise etwa 12 Kilogramm pro Person und Jahr aus.
Gleichzeitig wird bislang nur ein kleiner Anteil ausgedienter Textilien wieder zu neuen Textilien verarbeitet.
Deshalb lohnt es sich, Kleidung möglichst bewusst auszuwählen, lange zu verwenden und gut erhaltene Stücke weiterzugeben.
Nicht nur auf den Preis schauen
Der Preis allein sagt wenig darüber aus, wie ein Kleidungsstück hergestellt wurde.
Ein höherer Preis garantiert weder bestimmte Arbeitsbedingungen noch eine bestimmte Umweltleistung. Umgekehrt lässt sich aus einem niedrigen Preis allein nicht sicher auf einzelne Produktionsbedingungen schließen.
Aussagekräftiger sind konkrete Informationen wie:
- Materialzusammensetzung,
- Herkunft beziehungsweise Anbauweise der Fasern,
- Produktionsort,
- Verarbeitung,
- Pflegehinweise,
- Haltbarkeit und Reparierbarkeit sowie
- nachvollziehbare Zertifizierungen oder Standards.
Materialien genauer betrachten
Textilien können aus sehr unterschiedlichen Fasern bestehen – beispielsweise Baumwolle, Wolle, Zellulosefasern oder synthetischen Fasern.
Keine Faser ist allein aufgrund ihres Namens automatisch „gut“ oder „schlecht für die Umwelt“. Die Auswirkungen hängen unter anderem von Rohstoffgewinnung, Herstellung, Verarbeitung, Nutzungsdauer und Entsorgung ab.
Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau
Bei entsprechend gekennzeichneten Lotties Produkten verwenden wir Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau, kurz kbA.
Diese Angabe beschreibt konkret die Anbauweise des Baumwollrohstoffs. Sie ist damit aussagekräftiger als eine pauschale Bezeichnung des fertigen Kleidungsstücks als „umweltfreundlich“.
Welche Materialien bei einem bestimmten Produkt verwendet werden, findest du direkt in der jeweiligen Produktbeschreibung.
Ist vegane Kleidung automatisch umweltfreundlicher?
Nein. Der Begriff „vegan“ beschreibt bei Kleidung zunächst, dass keine Materialien tierischen Ursprungs verwendet werden.
Das sagt allein noch nichts darüber aus, wie hoch beispielsweise Energie- oder Wasserverbrauch bei der Herstellung sind, wie lange ein Kleidungsstück genutzt werden kann oder welche Umweltwirkungen andere verwendete Materialien besitzen.
Wenn dir tierfreie Materialien wichtig sind, kann „vegan“ deshalb ein relevantes Auswahlkriterium sein. Es sollte jedoch nicht automatisch mit „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ gleichgesetzt werden.
Mehr dazu findest du in unserem Beitrag „Vegane Kleidung“.
Textilsiegel als Orientierung
Textilsiegel können bei der Auswahl helfen – allerdings verfolgen unterschiedliche Kennzeichnungen unterschiedliche Ziele.
Einige Standards konzentrieren sich beispielsweise stärker auf:
- die Rohstoffgewinnung,
- bestimmte Umweltanforderungen bei der Verarbeitung,
- den Einsatz bestimmter Chemikalien,
- Arbeitsbedingungen oder
- bestimmte Abschnitte der Lieferkette.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf ein Logo zu schauen, sondern zu prüfen, wer hinter der Kennzeichnung steht, welche Kriterien gelten und welcher Teil des Produktes beziehungsweise der Lieferkette tatsächlich geprüft wird.
Weitere Informationen findest du in unserem Blogbeitrag „Textilsiegel unter der Lupe“.
Auf Haltbarkeit achten
Ein Kleidungsstück, das häufig getragen und lange verwendet werden kann, muss seltener ersetzt werden.
Beim Kauf lohnt es sich deshalb, nicht nur auf Design und Preis zu achten, sondern beispielsweise auch auf:
- sauber verarbeitete Nähte,
- stabile Verschlüsse,
- geeignete Materialien für den vorgesehenen Einsatz,
- Pflegeanforderungen, die zum eigenen Alltag passen, und
- die Möglichkeit, kleinere Schäden zu reparieren.
Gerade bei Baby- und Kinderkleidung kann außerdem sinnvoll sein, Stücke auszuwählen, die später an Geschwister, Freunde oder andere Familien weitergegeben werden können.
Vor dem Kauf fragen: Brauche ich dieses Kleidungsstück?
Eine einfache Frage kann beim Kleidungskauf besonders hilfreich sein: Werde ich beziehungsweise wird mein Kind dieses Kleidungsstück tatsächlich häufig tragen?
Gerade Kinder wachsen schnell aus einzelnen Größen heraus. Deshalb muss nicht jede Variante und jedes Kleidungsstück neu gekauft werden.
Eine kleinere Auswahl an gut kombinierbaren Kleidungsstücken kann im Alltag oft praktischer sein als ein voller Kleiderschrank mit Dingen, die kaum getragen werden.
Second Hand verlängert die Nutzungsdauer
Gut erhaltene Kleidung muss nicht ungenutzt im Schrank liegen bleiben.
Second-Hand-Kauf und Weitergabe ermöglichen es, bereits vorhandene Kleidungsstücke länger zu verwenden.
Kinderkleidung eignet sich dafür besonders häufig, weil Babys und Kleinkinder teilweise aus einer Größe herauswachsen, bevor ein Kleidungsstück stark verschlissen ist.
Gut erhaltene Kleidung kann deshalb:
- für jüngere Geschwister aufgehoben,
- an Freunde oder Familienmitglieder weitergegeben,
- verkauft,
- getauscht oder
- gespendet werden.
Reparieren statt sofort ersetzen
Ein verlorener Knopf, eine geöffnete Naht oder ein kleines Loch bedeuten nicht automatisch das Ende eines Kleidungsstücks.
Viele kleinere Schäden lassen sich mit wenig Aufwand reparieren.
Wenn du selbst nicht nähen möchtest, können Änderungsschneidereien, Reparaturangebote oder lokale Repair-Cafés eine Möglichkeit sein.
Durch eine Reparatur kann das vorhandene Kleidungsstück weiter genutzt werden, anstatt unmittelbar ersetzt zu werden.
Was tun mit Kleidung, die nicht mehr getragen werden kann?
Nicht jedes Kleidungsstück eignet sich am Ende seiner Nutzung noch zur Weitergabe.
Je nach Zustand kann es beispielsweise noch für andere Zwecke verwendet werden. Aus geeigneten Baumwolltextilien lassen sich etwa Putz- oder Reinigungstücher herstellen.
Ist auch eine solche Verwendung nicht mehr sinnvoll, sollte das Textil entsprechend den örtlichen Vorgaben entsorgt beziehungsweise einer geeigneten Sammlung zugeführt werden.
Warum Textilrecycling noch eine Herausforderung ist
Textilien bestehen häufig aus Mischgeweben, Nähten, Reißverschlüssen, Knöpfen, Beschichtungen und weiteren Bestandteilen. Das erschwert die Wiederverwertung zu hochwertigen neuen Fasern.
Nach Angaben europäischer Institutionen wird weltweit bislang weniger als ein Prozent aller Textilien wieder zu neuen Textilprodukten recycelt.
Deshalb spielen Wiederverwendung, längere Nutzung und Reparatur derzeit eine besonders wichtige Rolle.
Bewusster Kleidung kaufen: eine praktische Checkliste
Vor dem Kauf kannst du dir beispielsweise folgende Fragen stellen:
- Brauche ich das Kleidungsstück wirklich?
- Wie häufig wird es voraussichtlich getragen?
- Aus welchen Materialien besteht es?
- Gibt es konkrete Informationen zur Herstellung?
- Wie aufwendig ist die Pflege?
- Lässt sich das Kleidungsstück bei kleinen Schäden reparieren?
- Kann es später weitergegeben werden?
- Gibt es eine nachvollziehbare Zertifizierung, und was genau deckt sie ab?
Fazit: Konkrete Kriterien statt einfacher Schlagworte
Die Diskussion um Fast Fashion zeigt, dass es sich lohnt, Kleidung nicht ausschließlich nach Preis oder aktuellen Trends auszuwählen.
Material, Verarbeitung, Nutzungsdauer, Pflege, Reparaturmöglichkeiten und Weiterverwendung liefern konkrete Anhaltspunkte für eine Kaufentscheidung.
Auch Textilsiegel können Orientierung geben, wenn nachvollziehbar ist, nach welchen Kriterien und für welche Produktionsschritte geprüft wurde.
Statt Kleidung pauschal als „nachhaltig“, „ökologisch“ oder „umweltfreundlich“ zu bewerten, empfehlen wir deshalb, möglichst viele konkrete Informationen über das jeweilige Produkt zu betrachten.
Und vielleicht lautet die wichtigste Frage vor dem nächsten Kauf ganz einfach: Werde ich dieses Kleidungsstück wirklich lange und häufig nutzen?